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Anke Dembowski

 

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Meinungen - Kommentare - Ironisches

Scheinheilige Empörung über VW    (Anke Dembowski, 27. September 2015)

Tests müssen auch Kontrollfunktion haben

Schummeln soll man nicht. Mein 12-jähriger Sohn darf bei einer Klassenarbeit auch nicht vom Nachbarn abschreiben. Auf der anderen Seite müssen natürlich Kontrollen und Tests wirksam sein. Ein Lehrer, der während einer Klassenarbeit das Zimmer verlässt, wird sich kaum ernsthaft wundern, wenn die Schüler schummeln.

Offenbar sind die Abgas-Tester in den USA öfter aus dem Raum gegangen – im übertragenen Sinne. Wie kann es sein, dass Tests durchgeführt werden, die meilenweit von der Realität entfernt sind und noch dazu haarklein durchschaubar sind, so dass sich sogar eine Software darauf schreiben lässt? Das ist ja so, als würde ein Lehrer bekanntgeben: „Ich überprüfe alle rechten Hosentaschen auf Spickzettel“ – na, dann verstaut man ihn eben in der linken!

Ich bin wirklich kein Auto-Experte. Aber selbst mir als Laie war bekannt, dass die Abgastests von den Autoherstellern „optimiert“ werden. Ich weiß, dass dasselbe auch mit den Sprit-Verbrauchsmengen geschieht. Ob das die nächste große Enthüllungs-Story wird? Oder glauben Sie ernsthaft, dass Ihr XXXXX im Realbetrieb auf der Straße tatsächlich nur YYYY Liter auf 100 km verbraucht?

Allgemein bekannt ist z. B. auch, dass bei Verbrauchsmessungen Batterien nicht von der Lichtmaschine geladen werden, zur Verbesserung vom Cw-Wert auch schon mal Außenspiegel abmontiert und Karosserieöffnungen mit Klebeband verschlossen werden. Klimaanlagen und Sitzheizungen etc. sind eh ausgeschaltet… usw. usw.
Das alles ist doch eigentlich auch Betrug, aber offensichtlich geduldet. Vielleicht hat VW jetzt nur eine imaginäre Schummelgrenze überschritten.

Die kollektive Empörung jetzt finde ich verwunderlich. Es grenzt bereits an Selbstzerstörung, wie die deutschen Medien das Qualitätsmerkmal „made in Germany“ in Frage stellen – als ob keiner von den Medienmachern je im Leben geschummelt hätte!

Meiner Ansicht nach wäre es erstaunlich, wenn nur VW, oder wenn nur deutsche Hersteller geschummelt haben sollten. In einer Zeit, in der sich Automarken kaum mehr voneinander unterscheiden, heben die Hersteller jede noch so winzige Detail-Unterscheidung in der Werbung hervor. Und da sollen die Experten der Konkurrenz-Hersteller geschwiegen haben, wenn VW auf Grund seiner Schummelei bei den Diesel-Abgaswerten meilenweit besser als die anderen lag? Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es immer eine Petze gibt, es sei denn, mögliche Petzen sind selbst nicht ganz unschuldig und wollen kein großes Aufsehen erregen.

Da offenbar die Versuchung, Regeln zu übertreten, tief im Menschen steckt, sind Tests und Kontrollen notwendig. Wäre dem nicht so, bräuchte man auch keine Geschwindigkeits- oder Alkoholkontrollen durchzuführen, und Steuerprüfungen und alle anderen Kontrollen ebenfalls nicht.

Die katholische Kirche mit ihrer Jahrtausende alten Menschenkenntnis weiß, dass Menschen gern Regeln übertreten und lässt bitten „und führe uns nicht in Versuchung.“ Offenbar fehlt manchen Aufsehern diese Menschenkenntnis. Richtig ist: Schummeln soll man nicht, und ständiges Schummeln kratzt auf Dauer am Vertrauen. Auf der anderen Seite muss eine Aufsicht, die vorgibt, etwas zu testen, Tests durchführen, die auch dieses Wort verdienen. In Versuchung führen soll man eben auch nicht, und das haben die Tester wohl über viele Jahre getan - diesseits und jenseits des Atlantiks.

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Rettet unser Bargeld! - Über die Abschaffung unseres Bargelds    (Anke Dembowski, Juli 2015)

Derzeit haben Artikel und Bücher über die Abschaffung unseres Bargelds Hochkonjunktur. Die Wenigsten werden sich ein Leben völlig ohne Bargeld vorstellen können – entsprechend weit weg ist der Glaube daran, dass Papier- und Münzgeld bald abgeschafft werden könnte. Aber tatsächlich ist unser Bargeld in Gefahr, und wir sollten es mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Der Harvard-Professor Kenneth S. Rogoff sprach sich im November 2014 auf der Vortragsreihe Munich Lectures in Economics des Center for Economic Studies (CES) ganz offen für die Abschaffung von Bargeld aus, und in einigen Ländern gibt es bereits massive Einschränkungen: Seit Anfang 2012 sind in Italien Barzahlungen von über 1.000 € verboten, in Spanien sind Barzahlungen von mehr als 2.500 € untersagt, wenn eine der Parteien professionell tätig ist. Belgien hat im Januar 2014 die maximal zulässige Barzahlungs-Summe von 5.000 auf 3.000 € herabgesetzt, und in Frankreich dürfen Bürger ab September 2015 nur noch Beträge bis zu 1.000 € in Bar bezahlen – bislang sind es noch 3.000 €.

In Schweden experimentiert man sogar schon mit Bezahl-Chips, die Menschen unter die Haut gepflanzt werden. Solche RFID-Chip sind offenbar nur so groß wie ein Reiskorn. Ob einem statt der Handtasche dann demnächst der ganze Arm geraubt wird?

Auch in Deutschland ist Bargeld auf dem absteigenden Ast. Haben Sie einmal versucht, in Deutschland mit einem 500-Euro-Schein zu bezahlen? Ein solches Unterfangen bringt einen schier zur Verzweiflung, weil keiner diesen Schein gern annimmt, obwohl es sich schließlich um gültiges Zahlungsmittel handelt. Auch das Bargeld-Experiment des Wirtschaftsjournalisten Norbert Häring, der die Rundfunkgebühren bar zahlen wollte, haben sicher die meisten von uns verfolgt.

So etwas ist ein Drama! Die Abschaffung des Bargeldes ist gleichzusetzen mit Enteignung, Gängelei, Exhibitionismus und ist ein Finanz-Käfig für uns Bürger - warum?

Enteignung
Die Finanzkrise von 2007/8 ist längst nicht vorbei. Unser Wirtschaftssystem basiert darauf, dass Schulden nun mal zurückzuzahlen sind – auch Staatsschulden. Wer wird sie zurückzahlen? Letztendlich die Bürger, also Sie und ich!

Wenn aber das Geld nicht ausreicht, werden die Regierungen ihre Bürger auf die ein oder andere Weise enteignen müssen. Das lässt sich über Steuern, durch Inflation oder über negative Zinsen bewerkstelligen. Aus Politikersicht sind Steuern äußerst unpopulär; Inflation geht einher mit Zinssteigerungen, was die Bedienung der Staatsschulden verteuern würde, also scheidet derzeit auch dieses Mittel aus. Bleibt also das Instrument negativer Zinsen. Die haben wir ja schon in der Schweiz und in einigen Euroland-Ländern. Bisher trifft das erst die großen institutionellen Investoren. Beispielsweise berechnet die UBS schweizer Versicherungen und Pensionskassen aktuell 3% auf Cash-Guthaben. Auch in Deutschland hat die Skatbank im November 2014 das Eis gebrochen und Strafzinsen auf größere Vermögen eingeführt.

Privatanleger mit normalem Vermögen in Deutschland blieben bisher vor der direkten Belastung von Negativzinsen verschont. Schließlich gibt es da ein „technisches Problem“, und das heißt „Bargeld“.

Will eine Bank nämlich Zinsen auf ein Tagesgeldkonto kassieren, wird der wache Privatkunde das Geld einfach abheben und es in seinen Tresor legen. Wird Bargeld aber abgeschafft, geht das nicht mehr. Man müsste sich die Enteignung dann entweder gefallen lassen, oder auf deutlich weniger fungible Wertaufbewahrungsmittel (z.B. Gold, Silber, Edelsteine…) zurückgreifen. Insofern hätte das Geld eine seiner drei volkswirtschaftlichen Funktionen (Zahlungsmittelfunktion, Wertbewahrungsfunktion, Wertmess- und Recheneinheitsfunktion) eingebüßt.

Wir säßen in der Falle der finanziellen Repression, und verglichen damit ist die kalte Progression, die wir gerade mühsam abgeschafft haben, ein Kindergeburtstag!

Exhibitionismus
Bargeld wird außerdem gebraucht, um kleine Geheimnisse zu bezahlen – wie farblos wäre die Welt ohne sie! Der Partner könnte einfach in der Kontoabrechnung nachsehen, wie viel das Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk gekostet hat. Möchte ich beispielsweise die Diskussion vermeiden, ob der Kauf des neuen Schmuckstücks wirklich notwendig war? Na, dann bezahle ich eben bar, und es wird keine Diskussion geben! Und auch die anderen Farbtupfer des Lebens ziehen oft Bargeldzahlungen nach sich: Genau aus demselben Grund, warum Herr Meier im „Club Chantal“ lieber bar bezahlt, wird auch Frau Meier den ein oder anderen Einkauf lieber mit richtigen Geldscheinen bezahlen.

Liebe Politiker, kommt uns doch nicht mit dem vermeintlichen Killer-Argument der Verbrechensbekämpfung! Welche Verbrechen haben sich denn durch den zunehmenden Einsatz von bargeldlosen Zahlungen verringert? Lasst uns Bürgern die süßen kleinen Geheimnisse! Die wirklich Kriminellen werden auch über Cyber-Kriminalität dafür sorgen, dass sich ihr Rad weiter drehen wird! Kriminalitätsbekämpfung und Steuerhinterziehung sind nur Scheinargumente, die gut klingen sollen und gegen die sich schwer argumentieren lässt. Und restlos lächerlich ist das Argument der Bakterien auf den Geldscheinen. Dann müsste man ja auch öffentliche Toiletten, Händeschütteln und Einkaufswägen verbieten! Zum Glück verfügen die meisten Menschen über ein gut funktionierendes Immunsystem oder haben Wasser und Seife zum Händewaschen!

Technik funktioniert nicht immer
Wir sollten uns auch nicht als „technologiefeindlich“ diffamieren lassen, wenn wir nicht alles und jedes per Paypal, Kreditkarte oder Handy bezahlen möchten! Es ist nun mal so, dass der Einsatz dieser Zahlungsmethoden nicht immer sichergestellt ist. Wir dürfen uns nicht von der naiven Technologie-Gläubigkeit einiger Menschen anstecken lassen - die Praxiserfahrung zeigt ein anderes Bild. Wie oft steht auf der Online-Eingangsseite meiner Bank, dass ich auf Grund von Wartungsarbeiten leider gerade nicht agieren kann? Und wie oft zuckt eine Verkäuferin bedauernd mit den Schultern, weil sowohl EC- als auch Kreditkarte am Zahl-Terminal ihren Dienst verweigern, obwohl sie eben noch funktioniert haben? In solchen Fällen bin ich froh, wenn ich bar zahlen kann.

Und ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Geldausgeben dann mit einem Mal spürbarer wird als bei Kartenzahlung? Auch das ist von den Politikern und der Industrie ein ins Kalkül gezogener Effekt – beide wollen den privaten Konsum antreiben. Wir als Konsum-Melkkühe!

Wir sollten uns also die Freiheit nehmen, unser Bargeld wertzuschätzen – dazu müssen wir elektronische Zahlungsmöglichkeiten ja nicht gleich verteufeln – hoch lebe der multi-channel-Ansatz, aber bitte inklusive des Kanals Bargeld!

Ich rufe dazu auf, dass wir nicht wie die Schafe freiwillig zu unserem Schlächter trotten, sondern dass wir beim nächsten Restaurant-Besuch oder Shopping-Bummel einfach mal wieder einen richtigen Geldschein zücken. Schließlich ist Bargeld eine Art Kulturgut, das es zu schützen gilt! Wie sonst wollen Sie nächstes Mal eine Entscheidung mit „Kopf-oder-Zahl?“ treffen? Oder was sollen wir dem Straßenkünstler demnächst in den Hut werfen?

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Volkswirtschaft zum Anfassen - Wie sich die Freigabe des Schweizer Franken-Kurses auf die reale Wirtschaft auswirkt   (Anke Dembowski, Januar 2015)

Volkswirtschaftskunde ist für viele etwas Abstraktes und daher schwer verständlich. Zinssätze, die fallen und dadurch das Wirtschaftswachstum ankurbeln sollen? Für viele kein nachvollziehbarer Zusammenhang.

Aber letzte Woche waren volkswirtschaftliche Zusammenhänge direkt spürbar und für jedermann verständlich: Ich wohne am Bodensee, ca. 30 Auto-Minuten entfernt von der Schweizer Grenze. Am Donnerstag, den 15. Januar 2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro auf, auf den sie für die letzten drei Jahre den Wechselkurs künstlich gehalten hatte. Die Schweizer Börse sauste abwärts, der DAX vollführte Kapriolen, der Schweizer Franken-Kurs plumpste auf einen Wechselkurs zum Euro von rund 1:1.

Schnelle Reaktion der Marktteilnehmer
Und das „wirkliche Leben“? Sie können sich nicht vorstellen, wie schnell Marktteilnehmer die Zusammenhänge verstehen und umgehend reagieren. Letztes Wochenende konnte man im hiesigen Shopping-Center „Lindau Park“ kaum mehr einen Parkplatz finden – es war alles zugeparkt mit Autos von Schweizern, die jetzt in Deutschland 20% günstiger einkaufen als vorher – die deutsche Mehrwertsteuer von 19% erhalten sie schon immer zurück. Die Zeitungen titeln: „Schweizer auf Knauser-Tour“, lange Schlangen bilden sich vor den Wechselstuben und Wechselautomaten.

Wenn ich zum Supermarkt gehe, fahre ich jetzt lieber in einen, der etwas weiter im Landesinneren gelegen ist – sonst ist es einfach zu voll mit den vielen Schweizern und Liechtensteinern, die hier nun noch günstiger einkaufen als sonst. Einige Waren sind ausverkauft und müssen erst nachbestellt werden.

Für Restaurant-Besitzer hier ist die neue Situation wirklich klasse: Im Winter ist es in der Tourismusregion Bodensee normalerweise recht ruhig, so dass die Restaurants nicht gut besucht sind und viele Betriebsferien machen. Aber jetzt? Da sind die Restaurants ausgebucht und vor der Türe stehen viele große Autos mit schweizer Nummernschild.

Gute Geschäfte für deutsche Händler und Dienstleister
Mein Mann musste letzte Woche sein Auto zur Werkstatt bringen und war etwas enttäuscht, dass er erst recht spät einen Termin bekam – auf dem Hof standen mehrere schweizer Autos.

Unsere Nachbarn fahren jeden Morgen zur Arbeit nach Liechtenstein – denen merkt man an, dass sie mal eben eine Gehaltserhöhung von 20% erhalten haben: Neue Klamotten, Kind eine neue Playstation, unverhoffter Reichtum!

Wir wollten eigentlich das Wochenende zum Skilaufen nach Österreich fahren – haben wir dann aber doch nicht gemacht, weil wir befürchteten, dass die Pisten jetzt sehr voll sind. Stattdessen stand das Lindauer Schwimmbad auf dem Programm, mit Rutsche für die Kinder und Sauna für die Erwachsenen – und überall hörte man Gesprächsfetzen in Schweizer Akzent. Wie schön leer muss es im nächst gelegenen Spaßbad gewesen sein – das ist in St. Gallen, auf der schweizer Seite!

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Ich bin nicht Charlie - Von Pressefreiheit und Toleranz   (Anke Dembowski, Januar 2015)

Pressefreiheit ist wichtig – diese Aussage unterschreibe ich als Finanzjournalistin natürlich sofort. Ein Attentat auf eine Redaktion ist ein zu verurteilender Gewaltakt, der nicht entschuldbar ist.

Dennoch: „Ich bin nicht Charlie!“ Warum? Freiheit – auch Pressefreiheit - ist eine wichtige Errungenschaft, vielleicht auch der Französischen Revolution. Aber Respekt und Feingefühl sind ebenfalls wichtige gesellschaftliche Werte, und dazu gehört auch die Akzeptanz anderer Religionen.

Wenn ich weiß, dass Moslems ein Abbild ihres Gottes als Gotteslästerung ansehen und dies daher nicht dulden können – worin liegt dann der Nutzen, dass ich genau dies wiederholt tue? Wenn ich dann auch noch weiß, dass unter den Moslems viele Hitzköpfe sind, geht es vielleicht auch darum, die Grenzen auszuloten, ab denen das Glas überläuft.

Diese Grenzen sind am 7. Januar auf tragische Weise ausgelotet worden. Es ist leicht zu sagen, dass das Glas nicht überlaufen darf. Natürlich darf es das nicht, und schon gar nicht auf diese brutale, herzlose Art und Weise wie in Paris. Ohne die Tat relativieren wollen, sondern einfach nur als daneben stehende Meinung: Einen Grundlevel an Feingefühl und Respekt kann man auch von der Presse - selbst von Karrikaturisten – erwarten; auch wenn jeder versteht, dass letztere die Dinge überzeichnen müssen.

Glauben ist für viele in der nördlichen Hemisphäre zu einer Nebensache geworden und spielt im täglichen Leben – wenn überhaupt – nur noch eine untergeordnete Rolle. Womöglich liegt es daran, dass viele hierzulande kaum verstehen, dass andere Menschen für ihre Religion brennen und sie in Rage geraten, wenn jemand ihren Gott beleidigt. Aber Toleranz ist, zumindest den Versuch zu unternehmen, das zu verstehen.

Wir Europäer fordern Toleranz ein, damit beispielsweise in anderen Ländern christliche Kirchen gebaut werden können und Christen überall auf der Welt frei und unbehelligt leben dürfen. Das ist eine richtige und wichtige Forderung. Wenn wir in Europa versuchen vorzuleben, was Toleranz ist, sollten wir nicht vergessen, dass dazu auch ein gewisses Einfühlen in Empfindlichkeiten der Anderen gehört.

Die Frage muss erlaubt sein: Muss man im Rahmen der Pressefreiheit unbedingt auf bekannten Empfindlichkeiten Anderer herumtrampeln? Und: Welches Ziel will man damit eigentlich erreichen?

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Wer hat Angst vorm lila Schwan?  -  oder das Märchen von der lebenslangen Garantie   (Anke Dembowski, 01.11.2013)

Das Märchen vom Müller, der damit prahlt, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen, kennt jeder. Kennen Sie auch das Märchen vom Staat, der damit prahlt, seine Versicherungsindustrie könne lebenslange Garantien geben? Wer würde nicht gerne aus Stroh Gold machen können, und wer würde nicht gerne 100 Prozent Sicherheit haben?
Mit etwas Nachdenken kommt man aber zur simplen Erkenntnis: Es gibt im Leben nichts, das 100prozentig garantiert ist, außer einer einzigen Tatsache: Dass wir alle sterben müssen.

Natürlich kann man einen Damm 10 Meter hoch bauen, was die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass die Flut hinüber kommt – aber das ist noch lange keine Garantie. Ebenso können Versicherer viele Reservepuffer anlegen, auf die sie in schlechten Zeiten zugreifen können. Aber jeder noch so hohe Damm, jede noch so hohe Reserve, ist endlich.

Die Fondsbranche hat schon lange erkannt, dass die Sache mit den Garantien schwierig wird, wenn die Zinsen niedrig sind. Garantiefonds, die in den 90er Jahren sehr beliebt waren, werden seit Jahren so gut wie gar nicht mehr aufgelegt. Warum legt aber die Versicherungsbranche immer noch munter Garantieprodukte auf?
Die Antwort ist einfach: Anders als bei der Fondsbranche gehören Garantien zum Geschäftsmodell der Lebensversicherer, und ein Geschäftsmodell ändert man nicht mal eben schnell. Nach jahrelangem Niedrigzins-Umfeld gucken nun auch die Versicherer immer öfter in ihre diversen Reserve-Portemonnaies und stellen fest: Ebbe! Sie handeln nicht schnell, aber sie handeln, und arbeiten an neuen Garantiemodellen, die letztendlich den Zweck haben, die Garantien zu schmälern – also wieder mehr Stroh als Gold. Das ist nicht unfair, denn Stroh war schließlich das Ausgangsprodukt.

Die Problematik der verlorenen Garantie kann man aber nicht allein den Versicherern anlasten, auch wenn sie seinerzeit die hohen Garantieversprechen abgegeben haben. Möglicherweise haben die Top-Leute dort auch wirklich geglaubt, dass sich langfristig schon alle Risiken und Zyklen ausgleichen würden. Auch der Fürst hat dem Müller gerne geglaubt, dass er eine Wunder-Tochter hat, die aus Stroh Gold spinnen kann, obwohl er ein Mensch mit Hirn und Verstand gewesen sein dürfte.
So glaubten auch die Kunden gerne, dass zwar eigentlich nichts auf der Welt garantiert ist, dass aber die Versicherer das schon irgendwie hinbekommen würden. Latent weiß die Bevölkerung auch, dass bei dem Ausspruch „unsere Renten sind sicher“ geflunkert wird. Dennoch sind das Geschrei und das zur Schau gestellte Erstaunen groß, wenn das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 angehoben wird.

Die lange Periode niedriger Zinsen macht den Lebensversicherern gerade das Leben schwer – aber solche Perioden gab es immer mal. Das ist das eigentlich Erschreckende. Nachdem das Buch von Nassim Taleb nun schon so lange auf dem Markt ist, rechnet man ja schon hinter jeder Ecke mit einem dort lauernden schwarzen Schwan. Wenn also das niedrige Zinsniveau ein schwarzer Schwan ist, den man quasi schon auf dem Radar haben könnte, was ist dann erst los, wenn ein lila Schwan daherkommt – etwas, mit dem wirklich niemand rechnet?

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Limburger Bischof: Hexenjagd ohne Background-Information  (Anke Dembowski, 22.10.2013)

Es ist ermüdend, wie die Presse die Hexenjagd auf Tebartz-van Elst führt. Jeden Tag dröhnt es aus allen Medienkanälen, wie verschwenderisch der Limburger Bischof war, und die Aufforderung, er möge doch freiwillig zurücktreten, folgt meist auch hintendrein. Früher bei den Hexenprozessen muss das ähnlich gewesen sein, als das Volk nur noch schrie „tötet die Hexe!“, ohne zu reflektieren, für was sie eigentlich verantwortlich sein soll, und völlig ohne die Hintergründe auszuleuchten, wer Interesse an dieser Hexentötung haben könnte.

Bitte mehr journalistische Background-Arbeit!

Natürlich ist es misslich, wenn Kirchenoberhäupter Wasser predigen und Wein saufen oder wenn sie Kosten verheimlichen und dazu Falschaussagen treffen – das sollte auch mit ein paar Sätzen angeprangert werden. Aber die Medienkonsumenten sind nicht so schwer von Kapee, dass sie diese Phrasen jeden Tag eingehämmert bekommen müssen. Wenn die Presse das hessische Städtchen Limburg schon zum Top-Thema erhebt, dann aber bitte nicht nur mit Häme, sondern auch mit echten Inhalten! Inzwischen war genug Zeit, sich an die journalistische Background-Arbeit zu machen. Wo kann man lesen, wie Tebartz-van Elst als Theologe war? Welche religiösen Themen hat er bearbeitet? Welche Verdienste hat er hier vielleicht errungen?

Voyeurismus statt Baukosten-Analyse

Überall lässt sich nachlesen, dass Renovierung und Umbau der bischöflichen Residenz 31 oder vielleicht 40 Millionen Euro gekostet haben. Wie groß ist diese Summe tatsächlich im Vergleich mit anderen Renovierungen denkmalgeschützter Fachwerk-Ensembles? Vermutlich ist das gar nicht so viel. Der Aspekt, dass der Bau in Limburgs historischer Innenstadt liegt, und dort für Stadtbild und Tourismus wichtig ist, wäre ebenfalls erwähnenswert. Stattdessen immer wieder diese Badewanne – Duravit vom Designer Philippe Starck! Das dürfte wohl eher dem Voyeurismus geschuldet sein, den die Presse hier billig bedient – wer kann schon umhin, sich den Bischof in seiner Badewanne räkelnd vorzustellen?

Konsequenzen in der römisch-katholischen Kirche?

Insbesondere aber würde Medienkonsumenten interessieren, wie es sein kann, dass die angeblich krankhafte Verschwendungssucht des Limburger Bischofs im Konzern der Katholiken nie aufgefallen ist. Jeder Mittelständler hat heutzutage eine Compliance-Abteilung, muss transparent bilanzieren und beschäftigt interne Controller sowie externe Wirtschaftsprüfer. Als Ein-Frau-Firma für die Vermittlung von Fondsanteilen benötige ich jährlich ein Wirtschaftsprüfer-Testat - und die römisch-katholische Kirche mit ihrer über 1.500-jährigen Historie? Offenbar ist ihr das Medienspektakel über ihren badefreudigen Bischof peinlich – aber welche Konsequenz zieht sie? Wo lässt sich in der Presse lesen, welche internen Kontrollmechanismen die Kirche nach diesem Skandal und nach den immer wieder aufflackernden Skandalen um die Misshandlungen von Kindern einführt beziehungsweise verbessert?

Limburg als Anlass dafür sehen, den ohnehin im Raum stehenden Fragen detailliert nachzugehen, mag sinnvoll sein, aber bitte nicht auf dem Niveau der Hexenverfolgung!

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Kommentar zur aktuellen Sexismus-Debatte  (Anke Dembowski, Januar 2013)

Psst! Von Dirndlblusen und Handküssen

Eins muss man der Journalistin lassen, die Brüderle so intensiv gecovert hat. Auf vielen Finanz-Veranstaltungen wird in den Gesprächen am Rande mindestens ebenso häufig über die Grenzen der geschmackvollen oder missglückten sexuellen Anmache gesprochen wie über das Niedrigzins-Szenario oder die Entwicklung der Aktienmärkte. Das haben uns die Medien eingebrockt: Sex & Crime stehen über den drängenden Sachthemen!

Vom Glashaus und den Steinen

Wieso regt sich eigentlich gerade der Stern über ein paar läppische Bemerkungen auf? Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Die Medien quellen über mit Werbung über Push-Up-BHs, Po-Lifter-Höschen und sonstigen Dingen, die eben gerade sekundäre Geschlechtsmerkmale ins rechte Licht rücken sollen. Die Werbeeinnahmen nimmt die Presse gerne und findet offenbar nichts Anstößiges dabei. Aber wenn die verbale Ansprache auf eben diese sekundären Geschlechtsmerkmale kommt, zuckt eine eloquente Journalistin verschreckt zusammen? Das Wort „doppelzüngig“ kommt hier in den Sinn.

An allen Ecken und Enden erziehen uns die Medien zu Voyeuren: Container-Shows und erotische Szenen im Nachmittagsfernsehen sind an der Tagesordnung. An jeder Bahnhofsbuchhandlung prangen uns auf den Titelseiten tief-dekolletierte Damen und kurvige Bikini-Schönheiten entgegen! Auch und gerade der Stern geizt nicht gerade mit recht offenherziger Erotik auf seiner Titelseite. Auf der anderen Seite wird eine eher läppische Bemerkung über das Ausfüllen eines Dirndl-Blüschens als Fauxpas hingestellt. Es mag sein, dass Brüderles abendliche Bemerkung an der Hotelbar nicht der Kategorie der originellsten Anmach-Sprüche zuzuordnen ist. Aber sollen wir uns tatsächlich über so eine Bemerkung empören? In dem Fall kämen wir beim Blick in die Medien aus dem Uns-Empören gar nicht mehr heraus.

Und überhaupt: Welches Frauenbild soll uns hier untergeschoben werden? Es gibt sicher Frauen, die anzügliche Bemerkungen verabscheuen. Aber sind Frauen heutzutage nicht emanzipiert genug, dies dann freundlich aber bestimmt zu klären? Frauen kämpfen dafür, dass sie beim Militär Karriere machen dürfen. Sie wollen in Aufsichtsräte und Vorstandsetagen, wo mit harten Bandagen gekämpft wird. Und nun knicken sie bei der kleinsten Bemerkung wie ein verhuschtes Mauerblümchen ein? Pardon, so wird das nichts – zurück über Los an den Herd!

Wie aufgeklärt wir doch sind!

Wir leben in einer aufgeklärten Welt! Offen wird von Politikern und den Medien über die Gleichstellung von Homosexuellen gesprochen und geschrieben. Berlins schwuler Oberbürgermeister bemerkt, dass die von ihm regierte Stadt arm aber sexy sei. Prostituierte müssen Steuern und Sozialabgaben zahlen und tragen daher zum offiziell berechneten Bruttosozialprodukt bei – wie aufgeklärt wir doch sind! Ach ja? Meines Wissens stellt die Hetero-Szene die Mehrheit der Bevölkerung dar, und diese soll jetzt ganz offenbar diskriminiert werden. Wie unnormal ist es, wenn ein Mann einer Frau gegenüber eine mehr oder minder geglückte Bemerkung macht? Sollen eine Aufforderung zum Tanz bei einer Tanzveranstaltung, eine Bemerkung über die Oberweite, ein Handkuss tatsächlich Stein des Anstoßes sein?

Es gibt eine Finanz- und eine Eurokrise, die noch nicht gelöst sind, die demographische Entwicklung ist eine Herausforderung für die Altersversorgung in Europa. Wir müssen nicht jede fragwürdige Moralvorstellung aus Amerika übernehmen. Lasst uns um die wichtigen Dinge kümmern und lasst die schönste Nebensächlichkeit der Welt dort, wo sie hingehört: An die Hotelbar, in die Party-Lokale, in die Schlafzimmer oder sonstige Orte. Aber nicht in die Presse!

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Der Staat sollte einen Risikohinweis vor Eheschließung ausgeben

Kennen Sie persönlich jemanden, der von seinem Finanzberater falsch beraten wurde und dadurch eine Menge Geld verloren hat?
Vielleicht?    Weiß nicht?
Aber vielleicht kennen Sie jemanden, der für seine Ehescheidung und die dann folgenden Unterhaltsleistungen an Ex-Gatten und Kinder viel zahlen musste und dadurch eine herbe Einkommenseinbuße erlitt. Ja?

Man kennt ja die grob aus der Hüfte geschossenen Schätzungen, wie viel die deutschen Anleger durch Schlecht- oder Falschberatung in Finanzdingen verloren haben.
Aber nach einem Schätzwert, wie viel die Deutschen durch Ehescheidungen verlieren, sucht man vergeblich. Sicher, das Geld ist ja nicht weg, es hat nur jemand anderes - in diesem Fall der geschiedene Gatte und die Anwälte - aber das ist bei missglückter Anlageberatung nicht viel anders.

Ich sehe es daher als geboten an, dass der Staat seine Aufklärungspflicht besser wahrnimmt und einen Risikohinweis für Heiratswillige erstellt - vermutlich sind die Verluste aus Falschberatung in Finanzangelegenheiten nicht viel größer als die aus Ehescheidungen.

In diesem Risikohinweis könnte aufgeführt sein, wie hoch die Scheidungsrate in der jeweiligen Alterskohorte ist und wie hoch die Anwalts- und Gerichtskosten sein können - an Hand einiger Beispiele ließe sich das transparent darstellen. Wie lange die Unterhaltszahlungen an geschiedene Ehegatten zu leisten sind und wie die Teilung der Altersvorsorge im Scheidungsfall konkret läuft, dürfte unter dem Aspekt der langfristigen Finanzplanung ebenfalls interessieren.

Einen solchen Beipackzettel zu erstellen ist schwierig?    Natürlich ist es das, aber auch die Erstellung eines Produktinformationsblatts für Finanzprodukte ist kein Kinderspiel, muss aber bewerkstelligt werden.

Risiken und Nebenwirkungen…

Zwischen Finanzanlagen und einer Eheschließung gibt es viele Analogien:

  • beides ist im Regelfall langfristig ausgelegt

  • beides ist mit Unsicherheit behaftet

  • beides hat Auswirkungen, die der normale Bürger nur schwer überblickt

  • die finanziellen Risiken können jeweils immens sein

  • ein Großteil der Bürger ist über die Details nicht gut informiert und aufgeklärt++

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Sinnlose Sozialversicherungs-Geschenke

  • Versteht jemand Sinn und Zweck des Ehegatten-Splittings?

  • Warum erhalten deutsche Beamte auf Grund der Tatsache, dass sie verheiratet sind, mehr Gehalt?

  • Welchen Zweck hat die kostenlose Mitversicherung von Ehegatten?

  • Arbeitet ein verheirateter Beamter mehr als ein unverheirateter?

  • Sind Eheleute dem Staat dienlicher als Unverheiratete?

- ich denke nicht -

Wenn Kinder mit im Spiel sind, ist das eine andere Sache. Aber das schlichte Verheiratet-Sein ist keine Leistung, sondern allenfalls ein Beweis für den Glauben an das Gute im Menschen oder für die vielleicht etwas optimistische Überzeugung, nicht zu den 50 Prozent der Paare zu gehören, die sich wieder scheiden lassen und dann durch die mit Überraschungen gespickten Mühlen der Familiengerichte gedreht werden.

Mir fällt kein Grund ein, weshalb eine Ehefrau - bleiben wir mal bei diesem eher üblichen Bild - mit ihrem Mann in der Krankenkasse und der Rentenversicherung kostenlos mitversichert sein soll - das ist schlicht unsozial. Wieder: Sind Kinder im Spiel, ist die Sache eine andere. Warum muss die Bäckerei-Fachverkäuferin Sozialbeiträge zahlen, die dem Luxus-Symbol der nicht arbeitenden Ehefrau erspart bleiben? Wenn ein Mann seine Gattin lieber zu Hause und nicht am Arbeitsplatz wähnt, kann er für sie auch Krankenversicherungs-Beiträge zahlen. Kann er das nicht, muss Madame eben wie jeder normale Mensch arbeiten, denn es gibt keinen Grund, ihre Sozialversicherungs-Kosten der Gesellschaft aufzubürden.

Ebenso die Rentenversicherung. Natürlich können und sollen Frauen eigene Rentenversicherungs-Ansprüche erwerben. Der Mann, der in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt und verheiratet ist, erhält eine lebenslange Rente. Seine Gattin erhält eine Witwenrente - und das völlig ohne Beitragszahlung. Welchen Nutzen hat die Gattin der Versichertengemeinschaft im Kleinen oder der Sozialgemeinschaft im Großen gebracht? Hat sie Kinder geboren und erzogen, ist natürlich ein Nutzen für den Generationenvertrag ersichtlich, aber sonst? Es ist ungerecht, dass ein lediger Mensch dieselben Beiträge leisten muss wie ein verheirateter. Aktuare können leicht ausrechnen, wie viel teurer es ist, zwei Renten zu zahlen als nur eine. Dieses Geschenk schlicht auf Grund des Verheiratet-Seins zu verteilen, ist nicht dienlich.

Fairer wäre es, wenn jeder Bürger seine eigene Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsansprüche aufbaute. Dann müsste auch bei Scheidungen viel weniger erbittert gestritten werden und zeitliche Verzögerungsmanöver, welche die für die Rente anrechnungsfähige Ehezeit künstlich verlängern, blieben Gerichten und Streithähnen erspart. Es muss dann nur noch entschieden werden, wer die Beiträge für Kindererziehungszeiten trägt, aber alles andere wäre einfacher und gerechter.

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Gedanken zur Honorarberatung

Letztendlich liegt Honorarberatung in niemandes Interesse - außer im Interesse der Anleger, aber die wissen es nicht.
Eine Abschaffung der provisionsbasierten Beratung würde dazu führen, dass die große Anzahl der Menschen, die in der Finanzbranche arbeiten, keine auskömmliche Vergütung mehr erreichen könnten. Denn Hand aufs Herz: Ein Anleger, der gut beraten wird und diesen Ratschlägen folgt, muss eher selten umschichten. Aber ein Honorarberater, der die Anlagen prüft mit dem Ergebnis „Sie sind gut aufgestellt und es besteht für Sie aktuell kein Handlungsbedarf“ wird sich schwer tun, dafür ein nennenswertes Honorar in Rechnung zu stellen - auch wenn dieser Ratschlag mehr Wert ist als so manche Umschichtungs-Empfehlung.

Die Einführung einer flächendeckenden Honorarberatung hätte ein Schrumpfen der Branche zur Folge.
Als Konsequenz würden weniger Produkte, weniger Berater, weniger Menschen im Back- und Frontoffice benötigt. Schließlich würde viel weniger hin- und hergeschichtet, und viele Produkte bräuchte man gar nicht. Und daran hat weder die Branche noch die Politik ein Interesse. Daher ist nicht zu erwarten, dass sich die Honorarberatung tatsächlich durchsetzt. Die Branche hat Glück, dass auch die Anleger sie nicht lautstark fordern.

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Gedanken zu unserer Beziehung zum Geld

Nicole Rupp interviewt Anke Dembowski anlässlich der Vortragsveranstaltung am 18. Juni 2010 in Wasserburg/B'see: Interview